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Neujahrs-Andacht auf der Galgowiese Friedberg

am 04.01.2015

 

Für alle, die nicht dabei sein konnten, ein paar Fotos und den Text zum Nachlesen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Heidrun, die das immer wieder wunderbar in Worte fasst:

 

 

Kleine Andacht zum Jahresanfang 2015
mit Gedenken an die gestorbenen Hunde

 

Wir feiern hier keinen Gottesdienst im konfessionellen Sinn. Jede und jeder hat eigene Vorstellungen von der Welt und vom Leben. Das wollen wir respektieren. Was uns verbindet, ist die Liebe zu den Hunden, die uns anvertraut sind.

 

Ich will zuerst noch einmal an das vergangene Jahr zurückdenken. Wieder gab es viel Schönes: 144 Hunde habe ich auf der „Adoptiert-Seite“ gezählt – so viele waren es noch nie! Das ist wunderbar, denn die Hunde, die ja oft Schreckliches hinter sich haben, erleben endlich, wie schön das Leben sein kann. Sie finden Menschen, die sie lieben und geduldig um ihr Vertrauen werben, sie finden neue Hundekumpels, lernen endlich weiche Kissen und Decken kennen, bekommen zuverlässig ihr Futter, dürfen die Welt erkunden und hier herumflitzen, viele lernen auch noch zu spielen und können es genießen, gestreichelt zu werden...Wenn wir erleben, wie sie entspannt da liegen und das Leben genießen oder zusammen Spaß haben, dann wissen wir, dass es gut war, sie hierher zu holen, gerade so einen Hund zu adoptieren und dass sich jede Mühe lohnt, die wir für sie auf uns nehmen.
Zur Mühe gehörte auch die Arbeit hier auf der Wiese – und da gilt ein riesiges Dankeschön all denen, die im vergangenen Jahr viele, viele Stunden hier gearbeitet und es so schön gemacht haben, wie es jetzt ist!
Einige Hunde haben es nicht geschafft, dieses neue Leben noch genießen zu können. Pelva ist noch in Spanien gestorben. España hat es zwar noch nach Deutschland geschafft. Aber es waren gerade mal zehn Tage, an denen sie noch mit Liebe umgeben und verwöhnt werden durfte – dann wollten ihre Organe nicht mehr weiter arbeiten, zuviel Mangel hatte sie in Spanien leiden müssen. Das macht uns traurig.
Für andere ist die Zeit bei uns zu Ende gegangen. Und auch das ist schwer, waren sie doch für einige Zeit und manchmal sogar lange Jahre unsere Gefährten.

 

Ich will stellvertretend nur einige Namen nennen:
Salduba und Rabi, weil auch ihr Schicksal mich sehr nachdenklich macht. Salduba wurde 2007 vermittelt, Rabi 2008. Als alte Hunde wurden sie im vergangenen Jahr wieder zurück gegeben, weil sie nicht mehr in die Lebensplanung ihrer Familie passten. Auf ihrer Pflegestelle fanden sie noch einmal Menschen, die sie liebten. Rabi ist im Oktober gestorben, Salduba am 30. Dezember. Mich erschreckt ihre Geschichte, auch, weil ich selbst einen alten Burschen zuhause habe, der mit 10 Jahren zurückgegeben wurde. Das liegt jetzt fast 3 Jahre zurück. Ich musste in der ersten Zeit mit ansehen, wie er die Welt nicht verstand und immer wieder Ausschau nach seinem Frauchen hielt. Und ich kann nicht begreifen, wie man so einen alten Hund noch mal weggeben und sich selbst um die wunderbare Erfahrung bringen kann, mit einem alten Hund zu leben. Alle Mühe, die das kostet, wiegt wenig gegenüber dem Glück, das so ein altes Tier einem schenkt!
Ja, und dann muss ich natürlich Merlin nennen – stellvertretend für alle Hunde, die hier ein langes und glückliches Leben haben durften! Merlin, der große Zauberer, der sich als Junghund durch Dianas Schuhschrank fraß und sie ganz schön Nerven kostete, der sich zu einem wunderbaren, zuverlässigen Gefährten entwickelte, der überall mit hingenommen werden konnte und Freilauf genießen durfte. Einige von uns hat er zum Lachen gebracht, wenn er sich auf diese Bank setzte oder Kuchen stiebitzte oder sich bei jemandem, den er mochte, auf den Schoß setzte. Am Ende war auch er alt und krank und ist in Frieden in eine andere Welt gegangen.
Das ist meine Hoffnung, dass alle, die uns verlassen haben, jetzt in einer Welt sind, in der es keine Schmerzen, kein Leid, keine Traurigkeit mehr gibt. Und sie alle leben in unserer Erinnerung weiter und haben tiefe Spuren in unserem Leben hinterlassen.
In dem Buch von Kurt Kotrschal "Einfach beste Freunde" habe ich gelesen: „Hunde leisten eine Menge emotionale Unterstützung und fördern daher Wohlbefinden und Gesundheit ihrer Menschen. Sie bringen Freude ins Leben, sie heitern uns auf und bringen Struktur und Sinn in die Freizeit. Und ein bisschen weiter: Tiere sind unsere Partner, von denen wir vor allem dann viel zurück bekommen, wenn wir ihnen auf gleicher Augenhöhe begegnen.“
Das kann sicher jeder hier bestätigen – und jede und jeder könnte dazu eine Menge wunderbarer Geschichten erzählen. -

 

Weil die Hunde unsere Gefährten sind, die zu uns gehören, bitten wir für sie und uns gemeinsam um Segen für das begonnene Jahr:


Wir bitten das Leben,
die Macht der Liebe,
die alles hervorbringt,
die schützt und heilt:

um Segen und Gedeihen
für Hunde und Menschen,
um Heilung, wo Körper oder Seele leiden,
um Liebe und Vertrauen
zwischen Menschen und Tieren.
Mögen wir glücklich sein -
mögen alle Wesen glücklich sein!

 

Schließen möchte ich mit einem Satz von Hermann Hesse : „Fühle mit allem Leid der Welt, aber richte deine Kräfte nicht dorthin, wo du machtlos bist, sondern zum Nächsten, dem du helfen, den du lieben und erfreuen kannst.“
In diesem Sinn wünsche ich uns allen ein gutes und glückliches Jahr 2015, in dem wir unsere Kräfte für die Hunde einsetzen, die uns anvertraut sind und uns so viel Glück und Freude schenken!