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Andacht zum Jahreswechsel

am Sonntag, 08. Januar 2012

Allen, die nicht kommen konnten, möchten wir gerne auf diesem Weg an unserer Andacht teilhaben lassen ...

Ein ganz besonderes Danke an Heidrun, der ihre Rede diesmal ganz besonders schwer fiel, da auch ihre Galga Kathy letztes Jahr gestorben ist.

"Kleine Andacht zum Jahresanfang 2012
mit Gedenken an die gestorbenen Hunde


Wir feiern hier keinen Gottesdienst im konfessionellen Sinn. Jede und jeder hat eigene Vorstellungen von der Welt und vom Leben. Das wollen wir respektieren. Was uns verbindet, ist die Liebe zu den Hunden, die uns anvertraut sind.

Ich will zuerst noch einmal an das vergangene Jahr zurückdenken. Wieder gab es viel Schönes: 74 Hunde  wurden vermittelt. Das ist wunderbar, denn in den meisten Fällen geht es gut, und die Hunde erfahren endlich, wie schön das Leben sein kann. Sie lassen das alte und manchmal schlimme Leben hinter sich, die meisten werden wieder gesund und erholen sich, genießen weiche Kissen und Decken, fangen an  Vertrauen zu Menschen und anderen Hunden zu entwickeln, manche lernen sogar noch das Spielen, und es ist die helle Freude, all das mitzuerleben und sich gemeinsam mit den Hunden am Leben zu freuen.

Im vergangenen Jahr gab es freilich auch viele Abschiede:

Prince, Siesto, Grande, Oberon, Fina, Ebony, Pancho, Greta, Aaron, Fina (Selena), Ricardo, Kathy, Ramón, Titchi, Kyana, Gino, Mira (die wir von der Wiese kennen) ...

Ganz unterschiedliche Lebensgeschichten sind mit diesen Hunden verbunden, und ganz unterschiedlich sind sie auch gestorben, einige ganz plötzlich und erschreckend, andere nach mehr oder weniger langer Krankheit. Immer hinterlassen sie eine große Lücke, Menschen und auch Hunde trauern um sie - so habe ich das jedenfalls erlebt.

Was uns trösten kann, ist einmal das Wissen, dass sie jetzt nicht mehr leiden müssen und die Hoffnung, dass es ihnen da, wo sie jetzt sind, gut geht.

Zum andern ist es die Erinnerung an die gemeinsame Zeit, die langsam die Trauer in Dankbarkeit verwandelt. Es ist ja genau so, wie Diana zu Ramón geschrieben hat: ?Die Zeit mit unseren Hunden ist ein Geschenk, das wir von ihnen erhalten.?

Bei der Erinnerung an die gemeinsame Zeit mit Kathy musste ich an Hermann Hesse denken, der mal geschrieben hat: ?Gegen die Infamitäten des Lebens sind die besten Waffen: Tapferkeit, Eigensinn und Geduld. Die Tapferkeit stärkt, der Eigensinn macht Spaß und die Geduld gibt Ruhe.? (zitiert nach: Mit Hermann Hesse durch das Jahr, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1976)
Tapferkeit, Eigensinn und Geduld haben unsere Hunde alle, in ganz unterschiedlichen Anteilen. Und da können wir ganz viel von ihnen lernen. Bevor ich Kathy kennen lernte, wusste ich jedenfalls nicht, wie viel Spaß Eigensinn machen kann. Und Tapferkeit und Geduld erleben wir bei so vielen Hunden, die krank hierher kommen und manchmal langwierige Behandlungen ertragen müssen.

Ich habe noch ein anderes Zitat von Hermann Hesse gefunden; er sagt: ?Fühle mit allem Leid der Welt, aber richte deine Kräfte nicht dorthin, wo du machtlos bist, sondern zum Nächsten, dem du helfen, den du lieben und erfreuen kannst.? (Quelle, siehe oben)

Genau das tun wir, wenn wir Hunden die Möglichkeit auf ein gutes Leben geben, wenn wir sie pflegen, mit ihnen lernen und dabei auch uns selbst weiter entwickeln, wenn wir ihnen Zeit und Liebe schenken. Wir bekommen so viel zurück ? jede und jeder von uns könnte dazu viele Geschichten erzählen und hat erfahren, dass man  glücklicher als mit Hunden gar nicht leben kann.

Weil die Hunde unsere Gefährten sind, die zu uns gehören, bitten wir für sie und uns gemeinsam um  Segen für das begonnene Jahr:

Wir bitten das Leben,
die Macht der Liebe,
die alles hervorbringt,
die schützt und heilt:

um Segen und Gedeihen
für Hunde und Menschen,
um Heilung,  wo Körper oder Seele leiden,
um Liebe und Vertrauen
zwischen Menschen und Tieren.
Mögen wir glücklich sein -
mögen alle Wesen glücklich sein!

Schließen möchte ich mit dem Satz von Hermann Hesse : ?Fühle mit allem Leid der Welt, aber richte deine Kräfte nicht dorthin, wo du machtlos bist, sondern zum Nächsten, dem du helfen, den du lieben und erfreuen kannst.?

In diesem Sinn  wünsche ich uns allen ein gutes Jahr 2012!"
(c) Heidrun H.